Fränkische Nachrichten 15.01.2005
Vom Automechaniker zum Sexsymbol
Olav Wischulke aus Bad Mergentheim ist Elvis-Imitator / Vierter beim Contest in Las Vegas
BAD MERGENTHEIM ¦ Der King lebt! Nicht auf Graceland, sondern in Bad Mergentheim. Und heißt nicht Elvis,  sondern Olav. Olav Wischulke ist von Montag bis Freitag Kfz-Mechaniker und führt als Meister einen Kleinbetrieb mit seinem  Vater in Bad Mergentheim. Alleine die dicken Koteletten lassen erahnen, dass hinter dem Typen, der da unter der Motorhaube schraubt, noch ein Anderer steckt. Und am Wochenende, und manchmal auch einfach nach  Feierabend, ist es soweit: Dann tauscht Olav den Schraubenschlüssel mit dem Mikrofon und den Blaumann mit  dem schillernden Anzug - und wird zu Elvis Presley.  Doch so schnell geht die Transformation zum Elvis nicht - zirka eine Stunde  dauert es bis die Perücke passt, die Koteletten geschwärzt sind und beim  aufwändigen Anzug alles am richtigen Fleck sitzt. Ehefrau Melinda hat derweil schon die Boxen, das Mischpult, Keyboard und  Mini-Disc-Player, auf dem die Begleitmusik für Olavs Show abgespielt wird, im  kleinen Musikzimmer zusammen gepackt. Sohnemann Stefan Alexander und  Töchterchen Julia Sophie geben Papa und Mama noch einen Kuss und ab geht’s  in Richtung Auftritt.  Rund 40 Shows haben Olav als Elvis und Melinda als die technische Assistentin  an seiner Seite im letzten Jahr absolviert. Tendenz steigend. Der Traum von Olav ist es natürlich, eines Tages ganz von der Show zu leben und den Job in der  Werkstatt an den Nagel zu hängen. . .und dem kommt er mit jeder Show ein  Stück naher. Doch vorerst heißt es noch spielen, spielen, spielen. Dabei kommen die beiden  auf kleineren und größeren Festen in ganz Deutschland herum. Oder auch mal  ins Fernsehen. Bei MTV, SAT 1 oder 9Live war der Bad Mergentheimer Elvis schon zu sehen.  Mit seinem bislang größten Erfolg im Januar 2002 läutete Olav, der bereits seit rund 20 Jahren als Musiker durch  die Lande zieht, seine Karriere als Elvis-Imitator - oder wie er sagt "Impersonator" - ein. Er setzte sich auf gut  Glück ins Flugzeug in Richtung Las Vegas, um an einem Elvis-Imitatoren-Contest in Laughlin teilzunehmen.  "Viele Leute hatten mir bereits mein gesamtes Musikerleben lang gesagt, dass ich wie Elvis klinge; eines Tages  dachte ich einfach, jetzt mach ich’s!", schildert Olav, wie er zu seiner Berufung gekommen ist.  Die regionalen Vorentscheide, die das ganze Jahr über in den USA laufen, ließ er links liegen und tauchte  einfach bei der Endausscheidung in Laughlin auf, um sich mit rund 60 weiteren "Impersonators" zu messen.  "Die Verantwortlichen dort waren baff, dass ich den weiten Weg auf mich genommen hatte und ließen mich  daher mitmachen", erinnert sich Olav. Die Überraschung: "Platz 4 für Olav Wischulke!", hieß es am Ende - Olav  war überwältigt. Der King hat ihn seitdem nicht mehr los gelassen. "Elvis Presley war ein wunderbarer Mensch, der durch seine  einmalige Art und unvergessene Musik die Herzen seiner Fans eroberte", meint sein Double aus Tauberfranken.  Außerdem hätten er und das Original viele Gemeinsamkeiten: Die Statur, das Faible für Süßigkeiten und für  Waffen, auch manchmal die etwas cholerische Art. "Durch meine Auftritte will ich dazu beitragen, das Rock ’n’  Roll und die Legende Elvis Presley niemals in Vergessenheit gerät", sagt Olav. Elvis Presley aber sei und bleibe  einmalig und unerreichbar. "Ich möchte den King so authentisch, wie möglich darstellen", so der Bad Mergentheimer Elvis weiter. Und dazu  gehöre auch, dass bei einer Show das Äußere passen muss. Ein Dutzend Anzüge und Accessoires hängen im  Kleiderschrank. Darunter auch eine Brille, die Elvis Presley tatsächlich getragen hat und für die Olav 650 Euro  berappen musste. Einige der Anzüge hat er sich darüber hinaus von Elvis´ originalem Schneider anfertigen  lassen.  Doch auch die Qualität der Musik darf nicht zu kurz kommen. Rund 200 Songs aus den 50ern, 60ern und 70ern,  eben aus allen Phasen des Schaffens von Elvis Presley, hat Olav Wischulke im Programm. Darunter unsterbliche  Hits, wie "Teddy Bear", "All shook up" oder "In the ghetto". Das Playback dazu sind keine einfachen  "Konservenmusikstücke", sondern hochwertige Einspielungen mit echten Instrumenten, statt Keyboard-  Gedudel. Für die Chöre auf den Playbacks zeigen sich keine Geringeren, als die "Jordanaires" verantwortlich,  eine Vokalistengruppe, die Elvis in den 60ern begleitet hatte. Seine persönliche Note setzt Olav dem King bei seinen Shows dennoch auf: "Ich gehe mit sehr viel Humor an  die Sache ran und mache meine Späße", schmunzelt Olav. Bei seinen Auftritten hat er allerdings schon einige  Höhen und Tiefen erlebt. Da ist es schon mal vorgekommen, dass aufgebrachte Rocker ihm Schläge angedroht  haben. Angenehmer sind da schon die kreischenden, meist etwas älteren Damen, die Olav regelmäßig an die  Wäsche wollen - sehr zum Unmut von Melinda. "Das kann manchmal ganz schön auf die Nerven gehen...", so die  Gattin des Mergentheimer Elvis-Imitators. Aber das gehört eben auch zum Leben einer Frau des Kings.